Ausgangssituation und Handlungsbedarf

Die Gesundheitsversorgung im Landkreis Lindau ist derzeit fragmentiert und wird durch eine Vielzahl von Akteuren und Einzelprojekten geprägt.

Die Zusammenarbeit erfolgt häufig projekt- oder fallbezogen und ist nicht dauerhaft strukturiert. Insbesondere an den Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung kommt es zu Informationsverlusten, unklaren Zuständigkeiten und Versorgungsbrüchen.

Mit der Gesundheitsregion Plus existiert im Landkreis eine erste zentrale Anlaufstelle für die Gesundheitsversorgung, die innerhalb eines festen, durch landespolitische Vorgaben definierten Aufgabenrahmens arbeitet. Eine dauerhafte, unterstützungsorientierte Koordination von schnittstellenübergreifenden Prozessen im Versorgungsalltag sowie die aktive Entwicklung und Etablierung neuer Versorgungsmodelle sind nicht Bestandteil dieses Aufgabenprofils.

Im Versorgungsalltag fehlt somit eine Stelle, die in kontinuierlichem Austausch mit den regionalen Akteuren steht, konkrete Herausforderungen frühzeitig erkennt, Abstimmungsprozesse moderiert und die Umsetzung gemeinsamer Lösungen begleitet. Vor dem Hintergrund der aktuellen regulatorischen Entwicklungen im Gesundheitswesen gewinnt diese Koordinationsfunktion zusätzlich an Bedeutung.

Strukturveränderungen wie die zunehmende Ambulantisierung und der demographische Wandel führen zu einer wachsenden Relevanz ambulanter Versorgungsstrukturen und erhöhen zugleich die Anforderungen an eine enge Verzahnung zwischen ambulanten und stationären Leistungsbereichen. Die sektorenübergreifende Abstimmung, die Vermeidung von Versorgungsbrüchen sowie die gemeinsame Weiterentwicklung bedarfsgerechter Versorgungsprozesse werden damit zu zentralen Zukunftsaufgaben.

Ein regional verankerter Netzwerkmanager mit klarem Fokus auf Vernetzung und Koordination kann hier eine wesentliche Rolle übernehmen. Der Bedarf an einer entsprechenden Funktion ist daher hoch.

Projektziele

Mit der Stelle des Netzwerksmanagers schafft das Projekt im Landkreis Lindau eine zentrale, niedrigschwellige und dauerhaft verfügbare Anlauf- und Koordinationsstelle für Anliegen aus dem regionalen Versorgungsalltag. Der Netzwerkmanager ist mit einem eindeutig abgegrenzten Aufgabenprofil in die bestehenden Strukturen des Landkreises eingebunden und stärkt verbindliche, transparente und umsetzungsorientierte Kommunikations- und Abstimmungsprozesse zwischen den relevanten Akteuren der Gesundheitsversorgung. Auch zukünftige Versorgungsbedarfe werden dadurch frühzeitig adressiert und die Versorgung durch bedarfsorientierte Kooperationen und innovative Versorgungsmodelle nachhaltig sichergestellt.

Schwerpunktmäßig werden im Rahmen der Zuständigkeiten des Netzwerkmanagers konkrete Herausforderungen an den Schnittstellen der Versorgung gezielt aufgegriffen. Hierzu zählen insbesondere Abstimmungsprobleme im Entlassmanagement, Informationsverluste bei Übergängen zwischen stationärer und ambulanter Behandlung, unklare Zuständigkeiten, Verzögerungen in der Weiterbehandlung, Doppeluntersuchungen sowie Kommunikationsbrüche zwischen Leistungserbringern. Diese Schnittstellenprobleme werden strukturiert bearbeitet und in geeigneten Abstimmungsformaten gemeinsam analysiert, mit dem Ziel, praxistaugliche und konsentierte Lösungen zu entwickeln.

Ein weiterer Mehrwert liegt zudem in der gemeinsamen, schrittweisen Etablierung verbindlicher Absprachen und klarer Kommunikationswege. Dies kann beispielsweise die Entwicklung einheitlicher Behandlungs- und Patientenpfade für bestimmte Krankheitsbilder oder transparenter Zuständigkeitsregelungen umfassen. Versorgungsübergänge werden dadurch verlässlicher, effizienter und für Patientinnen und Patienten besser nachvollziehbar gestaltet.

Parallel dazu koordiniert und begleitet der Netzwerkmanager laufende Prozesse und Projekte vor Ort und unterstützt die beteiligten Akteure aktiv bei der Umsetzung neuer Angebote. Dies umfasst beispielsweise den Aufbau und die Weiterentwicklung eines landkreisweiten Springer-Pools an hochqualifizierten, nicht-ärztlichen Fachkräften (sog. VERAH-/NäPa-Pool) sowie die Einführung/Ausweitung telemedizinischer Angebote. Dadurch, dass bestehende Ressourcen zielgerichteter genutzt und die Umsetzung neuer, bedarfsgerechter Versorgungsansätze erleichtert werden, fördert das Projekt unmittelbar die Stabilisierung und Weiterentwicklung regionaler Versorgungsstrukturen.

Maßnahmen

  • Personalstelle Netzwerkmanager (Zentrale Koordinations- und Anlaufstelle für Anliegen aus dem regionalen Versorgungsalltag)
  • Entwicklung, Aufbau und Einrichtung einer digitalen Koordinationsplattform für einen medizinischen Fachkräfte-Pool (VERAH/NäPa Pool) durch einen externen Anbieter (Softwarelösung)
  • Das Projekt wird für den gesamten Landkreis Lindau durchgeführt.
Projekt im Überblick
ProjekttitelNetzwerkmanager für die regionale Gesundheitsversorgung
ProjektträgerLandkreis Lindau (Bodensee)
ProjektgebietLandkreis Lindau (Bodensee)
Beteiligte LAGRegionalentwicklung Westallgäu-Bayerischer Bodensee
Gesamtkosten
168.077,45 Euro (brutto)
Fördersumme81.486,90 Euro
Projektlaufzeit12/2026 – 12/2028
ProjektstatusProjektantrag eingereicht
FörderinstrumentLEADER 2023-2027
LES-HandlungszielHZ 5: Ausweitung der Daseins- und Gesundheitsversorgung auf innovative Modelle und Steigerung der Attraktivität der Region für Fachpersonal